.... aus der Sicht von Arass
5. September 2004
(eingesandt von Karin Höhener)

 

6:00 Uhr, Sonntagmorgen und es kam schon Leben in die Bude. Das war ungewöhnlich, aber nicht schlimm. Draussen war’s ja auch schon hell und ich hatte nichts gegen einen frühen Spaziergang. Erst mein obligates Fruchtzwergli und dann ab ins Freie. Erst mal eine Runde im Garten und dann ging’s auch schon auf meinen geliebten Spaziergang. Hätte ich da schon gewusst, was mich noch erwarten würde an diesem Tag, ich wäre glatt ausgerückt. Aber ich war ja ahnungslos und so kam es dann wie’s kommen musste.

Wir fuhren mit dem Auto fast zwei Stunden lang, bis ich endlich wieder festen Boden unter die Füsse bekam. Ihr müsst nämlich wissen, mir wird es jedes Mal speiübel im Auto. Ist nicht so mein Ding. Aber was macht man nicht alles, um dabei zu sein.

Um 9:00 Uhr waren wir bestellt zu dieser Zuchttauglichkeitsprüfung, was immer das auch soll. Ich bin der Meinung, man kann oder man kann nicht. Also was soll das Ganze Theater.

Ja, genau, Theater, so kann man diese Veranstaltung wohl beschreiben. Wir waren an diesem Morgen zu Fünft. Vier Lady’s und ich. Natürlich kamen erst die Damen an die Reihe und ich durfte warten, warten und nochmals warten. Und es war heiss und es wurde immer heisser und ich war genervt und ich wurde auch nicht ruhiger, im Gegenteil.

So um 11.30 Uhr hatte dann das Warten ein Ende und ich wurde zwei Frauen vorgeführt. Im Schlepptau mein Frauchen, die auch schon ziemlich genervt war von der langen Warterei. Das hab ich so nebenbei gespürt, auch wenn sie sich gab, als ob sie ganz ruhig wäre. Neee dafür kenne ich sie zu gut. Tja und diese Tatsache beunruhigte mich dann auch etwas. Also Station eins. Inspektion meiner Masse.

Nasen-, Ohren-, Rutenlänge, Schulterhöhe, Ohrenabstand, Sprunggelenkhöhe, Oberschenkellänge, Brustbreite und Höhe usw.

Danach kamen die Ohren, Augen und die Zähne. Hinterher wurde noch mein Gangwerk bestaunt und ich musste mich hinstellen von allen Seiten, was mir dann zu blöd war und ich setzte mich hin, was mir nicht gerade Applaus einbrachte. Immer wieder stellte mich mein Frauchen auf die Beine und ich setzte mich wieder auf meinen Po. Und dann kam die Krönung. HIIILFEEE !!!  Da fasste mir doch die eine Vermesserin zwischen die Beine, nicht zu fassen!!! Noch nie wurde ich dermassen gedemütigt. -- Und dann war die Schau zu ende.

Darauf folgte der vieldiskutierte Wesenstest!

Die Leiterin dieses Geschehens stellte sich vor als Tierpsychologin, worauf mein Frauchen ihr erst mal erklärte, dass ich etwas von der Rolle sei, weil vor 5 Tagen mein Gefährte und Vater starb.

Und schon ging’s los, mein Frauchen voraus und ich hinterher. Flatterbänder, Zeltplane, komische Puppen, Fähnchen, und alles bewegte sich irgendwie. Aber kein Problem, solange mein Frauchen auch da durch geht, geh ich einfach mit. Nur als die Puppe plötzlich aufstand, musste ich sie doch mal kurz aber heftig verbellen. Weiter ging’s zwischen den Bäumen hindurch, hin zu der Prüferin, die einen Sack in den Händen hielt. Ich ahnte nichts böses und da fing sie an diesen Sack zu schütteln. Ich erschrak fast zu Tode und dementsprechend musste ich schon wieder bellen, was das Zeug hielt. Ich hatte mich noch nicht beruhigt, als sie als nächstes eine Kuhglocke zu schütteln begann. Mann, tat das weh in meinen Lauschern, also gleich weiter gebellt. Aber noch immer hatte sie nicht genug. Da wurde eine Rätsche geschwungen, ein Horn geblasen und zu guter Letzt fiel noch ein Schuss. Ehrlich, ich kriegte mich fast nicht mehr ein. Das war zu viel für mein geschwächtes Nervenkostüm.

Um mich wieder etwas zu beruhigen, führte mich mein Frauchen zu diversen Spielsachen. Mal ehrlich, hättet ihr da Lust gehabt zu spielen? Ich nicht!

Dann kamen die Spiele mit den vielen Menschen. Einmal hindurch gegangen, dann hindurch gesprungen, dann noch durch eine stehende Gruppe gezwängt. Alles Null Problemo! Danach mussten wir uns hinstellen und wir wurden von diesen Gestalten regelrecht umzingelt.

Sofort spähte ich nach einem Fluchtweg. Da kamen die so ganz langsam auf uns zu, auch dass noch…..hier musste ich einfach weg, raus aus diesem Kreis. Da schaute ich doch lieber von aussen zu. Doofes Spiel! Aber nichts da, ich musste zurück. Da wurde mit Folie geraschelt, ein Schirm flog auf, einer begann zu husten und das war’s dann. Meinte ich……Da wurde der Kreis endlich wieder etwas weiter, und mir dementsprechend etwas wohler. Da versuchte mich so eine Kreisfrau anzulocken mit einem Guteli. Aber nicht mit mir, erstens kannte ich die Dame nicht und zweitens nehme ich aus Prinzip nichts von Fremden. Das hat mir mein Frauchen schon früh beigebracht. Sie bemühte sich redlich, ging in die Knie vor mir und rief mich beim Namen. Da wurde ich dann halt doch neugierig und robbte langsam aber sehr vorsichtig zu ihr hin. Und in diesem Augenblick stand sie ganz abrupt auf, oh Schreck. Damit hatte ich nicht gerechnet und das musste ich ihr in aller Deutlichkeit sagen. Ich sprang zurück und bellte sie mit meinem tiefsten bellen an. So musste sie doch beeindruckt sein. Na gut, das war dann wohl etwas zu heftig, mein Frauchen wurde ziemlich hektisch und hiess mich ruhig zu sein.

Die letzte Station war ein kurzes Drahtseil an einem Baum, an das ich angebunden wurde, nach dem ich in ein Brustgeschirr gezwängt worden bin. Aber das schlimmste an dieser Situation war, dass mich nun mein Frauchen auch noch verliess. Ganz allein angebunden an einem Baum, nicht einmal sehn konnte ich sie. Da kam diese Prüferin zu mir, immer näher und näher. Sie versuchte mich anzufassen, bewegte sich hektisch und mich erfasste Panik. Ich riss an dem Drahtseil wie ein Irrer, ich verhedderte mich, alles tat mir weh, ich hatte angst und sie hört einfach nicht auf, mich zu bedrängen. Aber dann hab ich’s geschafft. Ich kam irgendwie los, aus dem Brustgeschirr und dann ging’s nur noch ab durch die Mitte. Mein Frauchen kam mir entgegen und nahm mich in die Arme, endlich hatte sie mich wieder lieb. Ehrlich ich hab schon daran gezweifelt, dass sie mir das alles zumutete. Und das alles nur, um Hundebabys zu zeugen. Das liegt in meinen Genen, dafür brauche ich keine Prüfung……oder doch????

Auf jeden Fall haben die herausgefunden, dass ich zu leicht bin, zu kleine Hoden habe (Die haben doch keinen Ahnung) und dass ich zu scheu und unsicher sei. Also ich könnte nochmals antraben, wenn wir das wollen. Aber das steht noch in den Sternen. Denn ich habe auch heute noch nicht mehr Gewicht und ich bezweifle auch, dass da noch viel hinzukommt. Aber viel wichtiger ist doch, dass ich kerngesund und glücklich bin.

 

Hier noch ein Tipp: Falls jemand von euch bald zum Ankören muss, dann übt das mit den gemeinen Geräuschen und auch all das andere, was ich erzählt habe. Dann lässt euch die ganze Sache kalt und ihr schafft das mit links. Also viel Erfolg!

.... gute Nacht, Euer Arass

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