So, nun tummle ich mich schon ein Jahr lang bei Demuth` s in Hüntwangen rum. Das war vielleicht etwas, da bin ich kaum geboren, am Aufwachsen ohne Vater, und schon sagt Gabi (Bertschy) zum Markus (Dillmann): Du, jetzt kommt dann bald die neue Familie von Baghira, um sie zu holen, dann muss ich wieder heulen! Heulen? Wenn jemand heulen muss, dann ich, weil ich ja gar nicht wusste, wo ich hinkomme und was mich da erwartete. Haben die Neuen wohl eine Ahnung, was ich so gerne zum Fressen habe und wie gross ist wohl der Topf für die Mahlzeiten? Zudem muss ich meine Mama und die wunderbare grosse Spielkameradin Cheyenne verlassen, also ihr seht, ich kann heulen!

Gut, die Demuth` s  waren mit ihrer Tochter einige Male da, ich kenne sie schon etwas, aber ich habe mal gehört, ich sei ihr erster Hund .... du meine Güte ....! Gott sei Dank haben Gabi und Markus den Dreien gute Ratschläge mit auf meinen Weg gegeben, das tröstete mich etwas - obwohl .... wenn ich wenigstens gewusst hätte, wie es dort aussieht! Also ich gehe nicht so gerne weg, andererseits interessieren mich die Neuen schon mit ihrem Haus im Grünen. Ja gut, ich gebe zu, die knuddeln mich immer ganz liebevoll wenn sie kommen, vorausgesetzt ich will.

Am 21. Januar 2006 hab ich die Gefühlswelten der Menschen so richtig kennen gelernt. Ach du lieber Himmel, auf der einen Seite Gabi, Markus, Saskia, Tatjana und Sven dem Weinen nahe (die einen hatten Tränen in den Augen, keine Angst, ich verrate nicht wer ....), auf der anderen Seite die Freude von Ruth, Werner und Gabriella und ich mit Mama und Cheyenne mitten drin ....! Ich? Nein, ich hab nicht geheult! Ich wurde einfach in einen Korb gesetzt und ins Auto gestellt. Das hat mir nicht so gefallen, wie so eingekauft im Warenhaus, so äugte ich dann zu Gabriella und bin ihr einfach auf die Beine gelegen - da konnte ich während der Fahrt so schön ihre Hände und Finger und in ihren Arm beissen bis sie quietschte. Moment mal, das war gar nicht so heftig ....! Sie hat mich trotzdem ganz liebevoll betreut auf meiner, wie Werner sagte, Heimreise ....! Heimreise? An den Gedanken musste ich mich erst einmal gewöhnen!

In Hüntwangen angekommen inspizierte ich erst mal das Haus, meine Decke, den grünen Rasen mit Schneeresten, dann schloss ich Bekanntschaft mit Conny vom Seetal, einer Katze, britisch Kurzhaar blau .... Himmel, eine Katze .... Wau! Warum war die nicht begeistert, als ich auf sie losstürmte? Werner sagte, das müsse langsam angegangen werden - also, so schnell war das nun auch wieder nicht. Ich hätte wirklich schneller sein können ....!

Am Abend musste ich, nach einer zugegeben leckeren Mahlzeit (na, die haben sich Gabis Ratschläge aber gut gemerkt) und einem Pippigang zum ersten Mal hier ins Bett. Ich soll da alleine schlafen ohne Mama, ohne Schwester, ohne Cheyenne? Für wen bitteschön liegt denn die Matzratze da, wenn nicht für mich? Ach schön .... Werner sagte, er liege die ersten drei Nächte bei mir .... ich habe Werner versprochen, nach drei Nächten allein zu schlafen - ich will ja auch keinen Krieg mit Ruth ....! Hey, ich hab mein Versprechen bis heute gehalten!  

Ich gebe zu, dass ich am ersten Tag nach dieser Gefühlstortur schon etwas erledigt war und habe dann tief und fest geschlafen! Also .... wir beide!

Bald schon habe ich Bekanntschaft mit der Hundewelt Hüntwangens gemacht sowie den Verwandten und Bekannten der Familie! Alle waren hellauf begeistert von mir, was habe ich da zu hören bekommen: Knuddelhund, süsser Fratz, Kuscheltierchen, Fellschnuckelchen, Schönheit, Fellviech, Tanzbär usw.!

Auch in den Kindergarten musste ich bald einmal .... ja so was gibt` s auch im Rafzerfeld .... da waren viele Welpen, die wie ich den Umgang mit ihresgleichen üben mussten; was haben wir da getobt, gespielt und gelernt .... ja auch lernen musste ich viel! Die Lehrerinnen habe ich begeistert mit meiner Freude, meiner Lernbegierigkeit und meiner Art, wie ich den anderen Welpen begegnet bin! Ich war zwar immer zuvorderst, wenn es um` s Spielen ging, aber ich war immer achtsam, sorgfältig und nie aggressiv. Werner war immer ganz stolz und hat mich zärtlich angeschaut, wenn ich gelobt wurde. Überhaupt, den habe ich sowieso im Sack .... nein, nein, ich bin ihm auch fast immer (fast - dieses Wort wollte Werner, dass ich es schreibe) gehorsam.

So nach neun Monaten wurde ich dann zum Fräulein und verpasste natürlich die erste Lektion des Hundekurses. Hat mich geärgert, schon weil Werner allein da hingegangen war. Ich wusste gar nicht, warum er da gesagt hatte, ich müsse zu Hause bleiben, wir würden einigen  Hundehaltern mit deren Rüden keine Freude bereiten. Auf meine Frage, was Rüden seien, hatte er mir keine Antwort gegeben! Jetzt weiss ich es .... ! Nach den ersten Schulstunden habe ich gehört, dass ich sehr lernbegierig sei und eine Führige! Ich weiss zwar nicht so recht, was das heisst, egal, Werner war stolz und dann muss es etwas Gutes sein. Einmal, da wollt ich nicht so recht durch einen Tunnel mit Sackende kriechen .... was passierte? Er kroch voran und ich stolzierte hinter ihm her. Es haben zwar alle gelacht, aber .... wir wurden dann von der Lehrerin gelobt. Dass ich auch ohne ihn durch dieses Ding gelaufen wäre, brauche ich ja nicht extra zu erwähnen, oder?

Auch mit Ruth habe ich es gut. Sie ist immer für mich da, wenn ich belle, also meistens! Es kann schon mal vorkommen, dass ich nachhaken muss oder ich muss ihr hinterher laufen und sie mit meinen Augen bezirzen, dann wird sie schwach und knuddelt mich! Herrlich, wie sie jeweils mit mir Hüpfspiele macht! Was mir an ihr nicht so gefällt ist, dass sie mir den Napf jeweils nur zur Hälfte füllt, wie wenn ich eine halbe Portion wäre! Da hätte mehr Platz .... viel mehr .... Frau könnt ja auch etwas in die Höhe schichten. Als dann Werner nach der Herbstwanderung die Bemerkung von Markus erwähnt hat, man solle auf mein Gewicht achten .... da sind die Portionen sowieso nicht grösser geworden. Ich hätte beide, Werner und Markus, in der Luft zerreissen können.

Na ja, ich habe ja noch meine Augen, meinen Charme und meine List. Ich stehle mal was, dann tönt es sofort: "Aus!" Ich mach das natürlich sofort und schon heisst es: "Fein aus, Baghira, super!" Und ich hab mein Leckerchen ....! Auch auf den vielen Spaziergängen habe ich so meine Tricks, um eine Belohnung zu erheischen, schnell die Nase zum Pferdeapfel und wenn es dann nicht gleich "Pfui" aus Chef `s Mund tönt, hänge ich noch die Zunge raus - spätestens dann schreit er .... und ich renn zu ihm hin. Was höre ich? "Fein pfui, Baghira ...." und ich kriege mein Leckerchen!

Oder ich rase mal hinter einer Katze, einem Reh oder einem Eichhörnchen nach .... was schon Spass macht, muss ich sagen!
Ihr solltet die mal sehen, wie froh die sind, wenn ich wieder zurückkomme; da heisst es ganz freudig: "Fein, bisch wieder cho!" Natürlich mit Streicheleinheiten und Leckerchen.

Was mir an dieser Sache nicht gefällt ist, dass ich nur ein- oder zweimal gerufen werde .... Ich höre sie dann nicht mehr, auch stehen sie immer still und dann kann ich mich nicht an ihren Schritten orientieren .... das macht mich unsicher und so kehre ich dann schnell wieder zurück. So gäbe es noch viel zu erzählen ....! Aber es macht Spass, auch wenn ich ab und zu an der langen Leine "hängen" muss ....!

An meinem Geburtstag am 12. November hatte ich meine Familie in Altendorf besucht und dabei alle überrascht! Das war fein, mal Mama, Cheyenne und alle die lieben Zweibeiner wieder zu sehen und .... und es gab was Leckeres zum FRESSEN!

So um Weihnachten herum wollte ich mich noch schöner machen! Ich habe mich entschlossen, meine Babywolle abzulegen .... das gab vielleicht Haufen! Ruth und Werner wunderten sich immer wieder, woher ich all die Wolle nehme! Aber ich wurde auch schlanker, was mir von Gabriella die Bezeichnung  "rasendes Gerippe" einbrachte! Nicht sehr charmant, aber ich liebe sie trotzdem! Sie hat mir ja die Heimreise so angenehm gestaltet! Übrigens liebe Ruth .... sie hat Gerippe gesagt, da muss gleich die Portion grösser werden!

Apropos Heim .... ja, jetzt bin ich hier daheim! Habe ich daheim geschrieben? Ach, liebe Gabi, lieber Markus .... tut es weh, wenn Ihr das so lesen müsst? Wisst Ihr, ich habe Euch doch immer noch lieb! Ihr habt mich am Anfang ganz liebevoll verpflegt, gepflegt und gehegt, das vergesse ich Euch nie! So, genug der Erzählungen .... mein Chef will noch etwas ergänzen!

Baghira

 

Wir haben mit unserer Baghira eine wahrhaft tolle, wunderbare und bezaubernde Hündin erhalten. Es ist ja, wie schon erwähnt, unser erster Hund! Wir haben uns zwei volle Jahre gelassen, bis wir uns entschieden haben. Ganz am Anfang war die Anschaffung eines Collies im Vordergrund. Lassie-Bücher in meiner Jugendzeit waren hierfür der Ausschlag. Ich habe mir dann trotzdem noch ein Buch über Hunderassen zugelegt, da etwas durchgeblättert und da "schaute" doch tatsächlich ein ganz hübsches freundliches Gesicht von einer Seite, das mich sofort in den Bann gezogen hat. Dieser Blick des fotografierten Tieres, dieses freundliche Gesicht, die ganze Erscheinung hat mich derart fasziniert, dass für mich klar war: Unser Hund wird ein Eurasier. Dass die Beschreibung der Art und des Charakters zum Gesicht passte, muss ich wohl nicht extra erwähnen.

Bereut? Nein, absolut nicht! Sie hat uns den Start in die Hundewelt auf eine ganz wunderbare Art erleben lassen. Natürlich hat unser "Rabauke" mal ein Stuhlbein angebissen, einen Schuh gelocht, in den ersten paar Tagen mal in die Stube gemacht. Sie probiert auch heute noch jeden Tag aus, ob ihr was auf dem Tisch entgegen lacht oder ob die Katze wirklich so schnell verschwinden kann wie Hund das schon oft erfahren hat .... Aber das sind Kleinigkeiten und bei gewissen Ereignissen lag die Schuld sowieso bei mir. Hätte ich auf ihr erstes Bellen gehört und nicht noch den Artikel fertig gelesen .... oder die Türe gleich hinter mir zugemacht ....! Einmal in ihre Augen geblickt .... und alles ist vergessen! Jedes mal, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, werde ich herzlich begrüsst und der geschäftliche Ärger ist wie weggeblasen. Die Begrüssung ist dann nicht von kurzer Dauer, da habe ich fünf bis zehn Minuten zu reservieren! Es sei denn, Ruth steht am Herd und bereitet das Essen der "Dame" zu. Dann bin auch ich nach kurzer Zeit ein "Niemand" .... aber auch das nur für eine kurze Zeit!

 

Ruth und Werner Demuth

 

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