"Hundsverlochete"



Er möchte nicht "verlocht" werden.

Woher stammt der Begriff "Hundsverlochete" ???

Eine Hundsverlochete ist eigentlich das Beerdigen, Verscharren von einem Hund, im übertragenen Sinn eine wertlose Veranstaltung, etwas, wo es sich nicht lohnt, hinzugehen.

Den Begriff findet man in diversen Mundart-Wörterbüchern, zum Beispiel im `Berndeutschen Wörterbuch`. Sie würden gescheiter mit uns Schule haben, statt jeder Hundsverlochete nachzuspringen.

Der Hund ist sowieso ein vielbeschäftigtes Wesen in den Redewendungen und in den Schimpfwörtern:
Lumpenhund, Himmelhund, blöder oder feiger Hund, falscher Hund.

Wenn jemand sagt: Das ist unter allem Hund, dann ist etwas minderwertig, unter aller Kritik. Also auch hier wie bei der Hundsverlochete etwas negatives.

Ein dicker Hund, das ist normalerweise nicht ein überfütterter Promi-Pudel, sondern ein grober Fehler oder eine grosse Frechheit. Manchmal auch eine schwierige Sache oder ein unglaubwürdiger Vorgang.

Und packt man den dicken Hund am Schwanz, dann geht es um eine besonders heikle Sache.

Man kann natürlich auch auf den Hund kommen: In schlechte Verhältnisse geraten und ein Hundeleben führen.

Hundewetter, hundemüde, bekannt sein wie ein bunter Hund, vor die Hunde gehen. Man kann es drehen und wenden wie man will, es wird nie positiv. Aber warum ??? Zählt man den Hund doch auch zu dem treusten und wachsamsten Begleiter vom Mensch.

Hinweise auf `s Negative findet man im Handwörterbuch vom deutschen Aberglauben. Dort drin heisst es, dass der Hund, übrigens das älteste Haustier vom Mensch, auch immer mit viel Aberglauben verbunden wurde.

Gerade wegen seinem extrem guten Spürsinn und weil er so empfindlich ist, hat man immer auch angenommen, er könne Zukünftiges vorher anzeigen.

Ein Beispiel: Frisst ein Hund Gras, gibt es schlechtes Wetter. Heiratslustige Mädchen hätten den Hund auch als Orakel gebraucht. Wenn in der Andreasnacht zum Beispiel kein Hund bellt, dann ist in diesem Jahr auch kein Freier gekommen. Und scharrt ein Hund Löcher vor dem Haus, dann ist das das Zeichen, dass jemand sterben wird. Drum also dieses Grausen und die Angst vor dem Hund. Der Hund als Wesen, das der Mensch nicht kontrollieren kann.

Und die Hundsverlochete, also Veranstaltungen, wo es sich nicht lohnt, überhaupt hinzugehen. Was für Veranstaltungen das sind, ist natürlich jedem selber überlassen. Für die einen ist es, ich will jetzt niemanden beleidigen, das Jahresessen der Kaffeerahmdeckeli-Sammler, für die anderen die Sonderausstellung der Meerschweinchen- oder Kaninchenzüchter und für noch andere vielleicht das Gespräch beim Chef wegen einer Lohnerhöhung.

Christine Schulthess
Mailbox vom 21. März 2007
Radio DRS I

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